Verschiedene Hypnosestadien

Den Zustand der Hypnose zu definieren ist gar nicht so einfach. Zunächst einmal zum Begriff Hypnose. Dieser entstammt dem griechischen "Hypnos" und bedeutet "Schlaf". Schlaf wiederum geht mit einer Bewusstlosigkeit einher, was man bei der Hypnose nicht behaupten kann. Insofern ist der Begriff eigentlich falsch gewählt. Das sei jedoch nur am Rande erwähnt (siehe auch "Geschichte der Hypnose"). Auch im weiteren werde ich trotzdem den Begriff "Hypnose" aufrechterhalten.

Hypnose stellt einen Zustand des eingeschränkten Bewusstseins dar. Dadurch wird direkter Zugriff auf das Unterbewusstsein ermöglicht wird. Das Unterbewusstsein des Menschen regelt unter anderem auch die Körperfunktionen (Herzschlag, Temperatur, u.v.m.). Aus diesem Grund können diese mittels Hypnose beeinflusst werden. Das Unterbewusstsein hat auch kaum mehr Entscheidungs- und Kritikfähigkeit, da diese vom Bewusstsein zur Verfügung gestellt werden. Wenn dieses eingeschränkt ist und der Kontakt zum Unterbewusstsein hergestellt ist, spricht man von Hypnose. In der Hypnose sind angefangen bei der Entspannung bis hin zu kompletten Persönlichkeitsveränderungen und sogar Verbrechen unter Hypnose, bzw. an Hypnotisierten alle Möglichkeiten offen. Ebenso vermag Hypnose gravierende Veränderungen an der menschlichen Psyche und physisch hervorzurufen.

Der normale Wachzustand: Das Bewusstsein ist voll da und filtert alle Eindrücke. Nur das was auch tatsächlich durch soll, wird vom Unterbewusstsein aufgenommen.

Das normale Wachbewusstsein

Eine leichte Hypnose (Somnolenz): Das Bewusstsein ist leicht eingeschränkt. Die Person konzentriert sich auf einen Punkt, bzw. in eine Richtung. Der Proband bekommt bewusst alles mit, Zugang zum Unterbewusstsein ist jedoch möglich.

Leichte Hypnose (Somnolenz)

Mittlere Trance (Hypotaxie): Das Bewusstsein ist schon stark eingeschränkt. Suggestionen werden gut angenommen. Einfache posthypnotische Befehle sind möglich. Die Befehle werden noch vom Bewusstsein gefiltert. Suggestionen, die stark gegen die Persönlichkeit gehen, sind nicht möglich.

Mittlere Hypnosetiefe (Hypotaxie)

Tiefe Trance (Somnambulismus): Das Bewusstsein ist weitestgehend eingeschränkt. Die Kritikfähigkeit geht gegen Null. Es sind posthypnotische Befehle möglich, akustische und optische Halluzinationen, oft tritt Amnesie ein. Diesen Zustand können in der Regel ca. ein Drittel der Probanden in kürzester Zeit erreichen. Circa zwei Drittel eine längere Vertiefung oder mehrere Einleitungen um diesen tiefen Trancezustand zu erreichen.

Tiefe Hypnose (Somnambulismus)

Wachhypnose - nach somnambulen Zustand: Der Hypnotiseur hat den Rapport zum Probanden weiterhin, auch wenn der Proband nach außen hin völlig wach erscheint. Das Bewusstsein ist vollkommen vorhanden. Der Proband kann sich mit Dritten unterhalten. Der Zustand der Hypnose ist nach außen nicht ersichtlich! Trotzdem kann der Hypnotiseur weiterhin Suggestionen erteilen, die ungehindert das Unterbewusstsein erreichen. Dies können sogar unsinnige Suggestionen und Halluzinationen sein.

Wachhypnose - Ein Sonderfall

Aber wie funktioniert das im Einzelnen? Ich möchte hier nicht hochwissenschaftlich werden. Wie es im Gehirn abläuft, kann man mittels PET-Scans (Positronenemmisonstomograph) feststellen. Das überlassen wir den Wissenschaftlern. Hier geht es um die Praxis. Es geht darum hypnotische Zustände einzuleiten und zu wissen was man nun in welchem Hypnosestadium erreichen kann. Um einmal die signifikanten Unterschiede zwischen WachBewusstsein, Schlaf und Hypnose darzustellen, habe ich hier diese Zustände einmal gegenübergestellt:

Wachbewusstsein
Schlaf
Hypnose
Kritische Beurteilung aller Eindrücke.
Bewusstlosigkeit. In bestimmten Schlafphasen direkter Kontakt zum Unterbewusstsein.
Eindrücke fließen mehr oder weniger ungehindert zum Unterbewusstsein.
Puls und Blutdruck normal.
Puls und Blutdruck gesenkt.
Puls und Blutdruck gesenkt.
Erinnerungsvermögen vorhanden.
Keine Erinnerung.
Erinnerung in leichter und mittlerer Hypnose vorhanden. Bei tiefer Trance ist Amnesie möglich.
Zeitliche Orientierung vorhanden.
Keine zeitliche Orientierung mehr.
Zeitliche Orientierung in leichter Trance vorhanden, schwindet jedoch mit zunehmender Trancetiefe.
Keine Annahme von Suggestionen.
Suggestionen werden in bestimmten Schlafphasen angenommen.
Annahme und Durchführung von Suggestionen.In tiefer Trance bis hin zu negativen optischen und akustischen Halluzinationen.
Bewusste Aufnahme aller Eindrücke.
Bewusstlosigkeit.
Restbewusstsein in eine Richtung gerichtet auf den Hypnotisuer, bzw. auf Konzentrationspunkte.

Wurde mittels entsprechender Techniken ein Trance-Zustand eingeleitet, kann man viele verschiedene Stadien der Hypnose unterscheiden. Um es weniger kompliziert zu machen, unterscheiden wir hier drei verschiedene Zustände:

  • Leichte Trance
  • Mittlere Trance
  • Tiefe Trance (Somnambulismus)

Diese Hypnose-Zustände unterscheiden sich sehr erheblich. Während eine leichte Trance jeder erreichen kann, der auch schlafen kann, ist es bei der tiefen Trance (Somnambulismus) anders. Circa ein Drittel (Erfahrungswerte) können in kurzer Zeit diese tiefe Trance erreichen. Da es keine einheitliche Einteilung der Trancestadien gibt, werde ich hier eine Definition aufstellen:

Leichte Trance(Somnolenz)
Vollkommene physische Entspannung
Katalepsie von Augenliedern und Gliedmaßen
Vollkommene Erinnerung an alle Suggestionen
Ausführung von einfachen Suggestionen, die keine innere Abwehr hervorrufen (Siehe Video)
Es ist leicht möglich, sich selbst aus dem Zustand zu lösen.

Mittlere Trance (Hypotaxie)
Ausführung von Suggestionen bei geschlossenen Augen, auch bei unlogischen Suggestionen
Kataleptische Starre möglich
Hypnotische Anästhesie durch Suggestion möglich
Altersregression ist möglich
Hypermnesie (extrem gesteigertes Gedächtnis)

Tiefe Trance (Somnambulismus)
Positive- und in sehr tiefer Trance auch negative optische und akustische Halluzinationen
Posthypnotische Suggestionen sind möglich
Ausführung, auch unlogischer Suggestionen bei geöffneten Augen
Oft vollkommene Amnesie (Gedächtnisverlust) für die Zeit der Hypnosesitzung
Komplette Persönlichkeitsänderung durch Suggestion möglich
Ein eigenes Lösen aus diesem Zustand ist nur bei äußerst unlogischen Suggestionen möglich, die strikt gegen den Willen des Probanden gehen.
Möglichkeiten von Verbrechen an Hypnotisierten und durch Hypnotisierte

Eine Person, die eben noch in leichter Trance war, kann innerhalb von Sekunden eine mittlere oder gar tiefe Trance erreichen. Dabei entwickelt sich die Hypnose wie in diesem Bild. Man sinkt tiefer und wieder etwas heraus, daraufhin geht es noch tiefer und wieder etwas heraus. Eine richtige Wellenform entsteht:

H
Y
P
N
O
S
E
T
I
E
F
E

Hypnosetiefe in Abhängigkeit mit der Zeit
ZEIT --->

Kritisch sind immer die Phasen, in denen es wieder herausgeht. Während dessen ist der Proband sehr anfällig für Störungen gleich welcher Art. Eine Störung in dieser Phase kann die Hypnose abbrechen. Das führt meist zu Schwindelgefühlen und Kopfschmerzen. In diesen Fällen muss der Hypnotiseur entweder versuchen die Hypnose wieder einzuleiten, oder aber die Hypnose nach einer kurzen nochmaligen Einleitung komplett aufzuheben.

Um ein tiefes Hypnosestadium zu erreichen, gibt es verschiedene Techniken. Man kann mittels Suggestionen ("Du sinkst tiefer und tiefer...") arbeiten, oder auch die fraktionierte Hypnose anwenden. Das heisst, dass die Hypnose unterbrochen wird und mittels eines posthypnotischen Befehls wieder eingeleitet. Jedesmal wird die Person tiefer in Trance fallen. Auch gerne verwendet wird das Fallenlassen von Gliedmaßen. Zum Beispiel kann man einen Arm heben lassen und während der Arm nach unten sinkt, die Vertiefung suggerieren.

Während die ersten beiden Stadien (Somnolenz und Hypotaxie) von den meisten Menschen in relativ kurzer Zeit erreicht werden können, hängt es beim tiefen Somnambulismus von mehreren Faktoren ab. Das wichtigste Kriterium ist meines Erachtens die verwendete Induktionstechnik. Die Techniken, die in der heutigen Zeit als „moderne Hypnose“ bezeichnet werden, bzw. „Hypnose nach Erickson“, sind in der Regel (außer bei extremer Erwartungshaltung) nicht geeignet, somnambule Zustände oder gar Wachhypnose beim Probanden zu erzeugen. Weiterhin spielen der Zeitfaktor, die Erwartungshaltung des Hypnotisanden und die verwendeten Vertiefungstechniken eine Rolle. Auf diese Faktoren werde ich an anderer Stelle jeweils gesondert eingehen.
Der französische Psychiater und Neurologe Hippolyte Bernheim (1837-1919) teilte die Hypnose in neun Kategorien ein (sechs Kategorien wenn die Erinnerung vorhanden ist und drei mit Gedächtnisverlust), die sicherlich zum Verständnis der Hypnose auch heute noch sehr interessant sind:

I. Erinnerung beim Erwachen

1. Betäubung, Somnolenz

2. Unmöglichkeit, die Augen spontan zu öffnen

3. Suggestive Katalepsie, mit der Möglichkeit den Zustand aufzuheben

4. Tiefe Katalepsie mit der Unmöglichkeit seitens des Hypnotisierten, den Zustand aufzuheben.

5. Ungewollte, suggestive Muskelsteifheit

6. Automatischer Gehorsam

II. Erinnerungslosigkeit (Amnesie) beim Erwachen

7. Fehlen der Halluzinationsfähigkeit

8. Halluzinationsfähigkeit während der Hypnose

9. Halluzinationsfähigkeit während und nach der Hypnose


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Letzte Aktualisierung am 08.01.2008

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