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Die
Geschichte der Hypnose |
Die Hypnose ist so
alt wie der Mensch. Schon in den ältesten, bekannten Überlieferungen
wird die Anwendung der Hypnose beschrieben. Uralte Keilschriften der Sumerer
- der ältesten bekannten Kultur - belegen, daß schon vor 6000
Jahren die Hypnose von besonders ausgebildeten Priestern zur Heilung verschiedener
Krankheiten benutzt wurde. In Indien, wo die Hypnose bei den verschiedenen
Yogatechniken auch heute noch eine sehr große Rolle spielt, wurden
damals, wie heute drei Hauptzustände der Trance unterschieden. In
den ältesten bekannten Sanskriturkunden hießen diese Zustände
Wachschlaf, Traumschlaf, sowie Wonneschlaf. Die Methoden der Hypnoseeinleitung,
die die alten ägyptischen Priester anwandeln gleichen denen der modernen
Hypnose. Als Priester waren sie gleichzeitig Ärzte und wußten
sehr genau über die phantastischen Möglichkeiten der Hypnose
bescheid. Geheilt wurde unter anderem durch Handauflegen, verbunden mit
wirksamen Suggestionen. Auch die heute noch übliche Fixationsmethode
wurde verwendet um den hypnotischen Schlaf herbeizuführen. Zu diesem
Zweck wurde dem Kranken eine glänzende Metallscheibe vor die Augen
gehalten um diese zu ermüden. Eine andere ebenfalls weit verbreitete
Heilungsart war, nicht nur in Ägypten, sondern auch in Griechenland
der Tempelschlaf. Vor dem eigentlichen Tempelschlaf mußte der Heilungssuchende
ein bestimmtes Ritual bestehend aus Diät, Waschungen, etc. ausführen.
Vor dem eigentlichen Schlaf wurden dem Kranken die Geschichten der erfolgreichen
Heilungen erzählt um die Erwartungsspannung zu erhöhen. Während
des eigentlichen Schlafs in der geheimnisvollen Atmosphäre des Tempels
wurden dem Kranken dann selbstheilungsfördernde Suggestionen ins
Ohr geflüstert. Tempelträume galten als Gabe der Götter
und wurden von den Priestern gedeutet. Auch durch andere rituelle Methoden
wurden Trancezustände erreicht. So zum Beispiel durch Drogen, die
aus verschiedenen Pflanzen gewonnen wurden oder durch das Verbrennen bestimmter
Kräuter. Dämpfe, die aus einem Spalt im Gestein hervortraten
lösten den hypnotischen Zustand beim berühmten Orakel von Delphi
aus. Die Hypnose wurde also nicht nur zur Heilung sondern auch von Wahrsagern
benutzt. |
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Im Mittelalter erkannte unter anderem der Arzt Aureolus Philippus Theophrastus Bombastus von Hohenheim (1493-1541), besser bekannt als "Paracelsus", die heilende Wirkung der positiven Suggestion. Der weit gereiste Mediziner erkannte, daß der beste Arzt der "innere Arzt" ist und war allein mit dieser Behauptung seiner Zeit damals schon weit voraus. Die angehende Inquisition machte diese Art der Heilkunst zu Teufelswerk. So geriet die Hypnose dann auch bald in Vergessenheit, was verständlich ist, hält man sich die Millionen von Hexenverbrennungen zu dieser Zeit vor Augen. Noch sehr gut zurückzuverfolgen, da durch schriftliche Aufzeichnungen belegt, sind die Entdeckungen und das Wirken von Franz Anton Messmer (1734-1815). Mesmer, ein gut gelehrter Mann der neben Philosophie und Theologie auch sechs Jahre Medizin in Wien studierte. Er erhielt 1766 den medizinischen Doktorgrad für eine Abhandlung: "De influxu planetarum in hominem". Mesmer war der Begründer des Begriffs „thierischer Magnetismus“. Der Begriff „Magnetismus“ ist insofern als Metapher zu verstehen, da zu diesem Zeitpunkt die Behandlung von Kranken mit mineralischen Magneten an der Tagesordnung war. Mesmer nahm nicht als erster an, dass es ein auch derzeit noch nicht messbares „Fluid“ gibt, dass Auswirkungen auf den menschlichen Körper und die Psyche hat. Da die Wirkungen dieses „Fluids“ ähnlich waren wie die der Mineralmagnete, nannte er es „thierischen“ Magnetismus. Auch seine Entdeckung selbst hatte zunächst mit Magneten zu tun. So stellte er fest, dass Menschen in Trance fielen, als er mit Magneten über ihren Körper strich. Als er versehentlich die magnetischen Stäbe mit nicht magnetisierten Stäben verwechselte, stellte er fest, dass es nicht am Magneten selbst lag und Hilfsmittel wie Eisenstäbe an sich auch nicht notwendig sind. Im Jahre 1775 veröffentlichte er seine Entdeckungen in Wien. Da Mesmer seine Entdeckung zur Behandlung von Krankheiten einsetzte, feindeten ihn die Ärzte Wiens derart an, dass er sogar aus Österreich ausgewiesen wurde und 1778 sein neues Domizil in Paris aufschlug. |
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Der französische Adel empfing ihn mit großem Enthusiasmus, sein Ansehen wuchs immer mehr und 1780 eröffnete er seine eigene magnetische Heilanstalt. Nachdem er immer größeren Zulauf, insbesondere aus den höchsten Schichten der Bevölkerung hatte, wurde im Jahr 1784 die Lehre Mesmers von der französischen Akademie der Wissenschaften geprüft und verworfen. Französische Ärzte durften nicht einmal mehr über dieses Thema reden, wollten Sie nicht Gefahr laufen ihren Beruf zu verlieren. Auch andere Staaten prüften die Lehre Mesmers. So beauftragten der König von Bayern, der König von Dänemark, sowie der Zar von Russland die Ärzte ihres Landes die Theorie Mesmers zu überprüfen. Weitere Verhandlungen fanden im Jahr 1790 mit den Wirren der Revolution ein jähes Ende. Während Mesmer in seinem Heimatland weiter praktizierte, ging seine Saat in Frankreich zunächst weiter auf, wobei sich jedoch verschiedene Ansichten entwickelten. Eine Partei blieb bei der ursprünglichen Meinung der organisch-physischen Wirkung. Unter der Führung von Barbarin nahmen die „Spiritualisten“ eine rein psychische Wirkung an und die „Société harmonique des amis réunis“ des Marquis v. Puységur heilte durch den „hellsehenden Somnambulismus“ (möglicherweise ein Vorläufer heutiger analytischer Techniken). Im Laufe der französischen Revolution wurden jedoch auch diese Gesellschaften aufgrund angenommener oder tatsächlicher politischer Verstrickungen freiwillig oder zwangsläufig aufgelöst. Erst im Jahr 1815 gründete der Marquis v. Puységur, der der Revolution entronnen ist, die „harmonische Gesellschaft“ um Mesmer‘s Lehren wiederaufleben zu lassen. Die Anfeindungen der Ärzte begannen von neuem. Auch andere Personen, die es verstanden das Interesse des Publikums zu wecken, wurden lächerlich gemacht und verschwanden schnell wieder von der Bildfläche. In Deutschland wurden Mesmer’s Lehren meist nur im Verborgenen angewendet. Interessante Namen, die hier auftreten, sind Johann Kaspar Lavater (1741-1801), der Astronom und Physiker Heinrich Wilhelm Matthäus Olbers (1758-1840, Olbers Paradoxon), Georg Bickers (1754-1823) und Arnold Wienholt (1749-1804), sowie Johann Lorenz Böckmann (1741-1802) und Eberhard Gmelin (1751-1809). Auch in Deutschland sorgten jedoch (nicht zum letzten Mal) politische Stürme dafür, dass Mesmers Lehre (von seinen Anhängern „Mesmerismus“ genannt) nahezu in Vergessenheit geriet. Obwohl Franz Anton Mesmer vor etwas über 200 Jahren meinte etwas völlig neues entdeckt zu haben, ist es prinzipiell gar nichts neues gewesen. Neu war nur der Name „thierischer Magnetismus“. In vielen anderen Kulturen früher und auch heute gab, bzw. gibt es Lehren von einer Art „Fluidum“, dass den menschlichen Körper durchdringt. Ob man es „Od“, „Chi“, „Prana“, „Aura“, „Orgon“, „Odem“, „Od“, „Qui“, oder sonst irgendwie benennt, ist gleich. Alles sind Ausdrücke, die ein und dasselbe bezeichnen. Aus "Abhandlung über die Entdeckung des thierischen Magnetismus" von Franz Anton Mesmer (Orthographie und Interpunktion aus dem Original von 1781 übernommen): Und diß veranlaßt mich nun einen neuen Versuch für den Sieg der Wahrheit zu wagen. Hier liefere ich meine erste, aber merklich erweiterte Sätze, und mache sie hiemit öffentlich so bekannt, wie es bißher noch nie geschahe. Sätze
Während Mesmers Lehre offiziell verboten wurde, war die ganze Sache damit natürlich noch lange nicht erledigt. Eine Vielzahl seiner Anhänger setzte seine Behandlungsmethoden im Stillen fort. Da sie jedoch nicht auf Publicity, sondern eher auf wissenschaftliche Beobachtungen aus waren, wurden in der darauf folgenden Zeit die wesentlichsten Phänomene der Hypnose entdeckt. |
![]() Franz Anton Mesmer |
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Weitere Begriffe, die zum damaligen Zeitpunkt geprägt wurden und die Missverständnisse darstellen, die sich bis heute gehalten haben, sind „Elektrobiologie“, „künstliche Neurose“, „künstlicher Nervenschlaf“, „Somnambulismus“, „Noctambulismus“, „magnetische Ekstase“, usw. Der Begriff „Hypnotismus“ (heute „Hypnose“) wurde angeblich 1843 von dem schottischen Augenarzt James Braid (1795-1860) geprägt. Neuere Erkenntnisse (05.08.2008) haben ergeben, dass diese Informationen anscheinend nicht stimmt. Hier muss wohl die Geschichte neu geschrieben werden. Unter Mithilfe eines Sprachwissenschaftlers werde ich versuchen Licht in's Dunkel zu bringen. Update (20.08. / 23.09.2008): James Braid war nur der Begründer des Wortes "hypnotize", dass als "hypnotisieren" eingedeutscht wurde. Somit kann die Geschichte der Hypnose im Internet (z.B. "Der Begriff Hypnose wurde durch den Chirurg James Braid geprägt." - Quelle David Woods, SPIEGEL Wissen, etc. - und in vielen Büchern neu geschrieben werden:
Interessanterweise tritt das Wort "hypnotisch" bereits 1780 auf! Ohne es eigentlich zu wollen entdeckte der englische Augenarzt James Braid 1841 die Fixationsmethode zur Einleitung der Trance. Um einen Schweizer Magnetiseur zu entlarven beschäftigte sich Braid umfassend mit den gezeigten Phänomenen. Da ihm bekannt war, daß die anhaltende Fixation eines glänzenden Objekts Müdigkeit hervorruft, hielt er seinen Versuchspersonen glänzende Glasprismen ca. 20 cm vor die Augen. Zu seiner eigenen Überraschung fielen die Probanden ohne weitere suggestive Beeinflussung nach einiger Zeit in Trance. Diesen künstlich hervorgerufenen Schlaf nannte er Hypnose (in Anlehnung an das griechische Wort hypnos = Schlaf). Wie andere Mediziner, die auf diesem Gebiet forschten, erntete Braid mit seiner Veröffentlichung "Neurohypnology or the rational nervous sleep considered in relation with animal magnetism" nur Spott. Im Jahr 1889, als in Paris der erste internationale Kongress für experimentelle Psychologie stattfand, konnte der Unterschied der Hypnose zu dem durch Mesmersche magnetische Streichungen hervorgerufenen Zustand noch nicht differenziert werden. Erst Albert Moll beantwortete 1892 in Berlin diese Frage. In seiner Abhandlung "Der Rapport der Hypnose" beschreibt er erstmalig, daß die Methoden der Hypnoseeinleitung zwar verschieden, die dadurch erreichten Zustände jedoch gleich sind. Anscheinend wurde auch das von den Psychologen im 21. Jahrhundert wieder vergessen... Zum damaligen Zeitpunkt, als es noch keine wirksamen Betäubungsmittel gab, ein Segen für viele Menschen bei schmerzhaften Operationen. Französische Physiologen prägten wiederum den Begriff „Somnambulisme provoqué“ (künstlicher Somnambulismus), der die Erscheinungen zwar wesentlich präziser beschreibt, sich jedoch nicht durchsetzen konnte. Präziser ist der Ausdruck „künstlicher Somnambulismus“ aufgrund der Differenzierung zum „Idio“- und „Autosomnambulismus“. Während der Begriff „Hypnose“ heute alles beinhaltet, wird hier unterschieden. Zu den „Idiosomnambulen“ zählt man die Personen, die wissentlich und absichtlich einen somnambulen Zustand hervorrufen. Hierzu zählen z.B. Fakire, Trancemedien, usw. (heute würde man dies als Selbsthypnose bezeichnen). Die „Autosomnambulen“ Personen wiederum sind Menschen, die ohne eigenes Zutun in den somnambulen Zustand geraten (z.B. Schlafwandler und Schlafsprecher). |
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Während die Medizin voranschritt und Hypnose zur Anästhesie unnötig wurde, wäre die Hypnose und insbesondere der somnambule Zustand nun langsam mehr und mehr in Vergessenheit geraten, hätte es nicht die heute so verteufelten Showhypnotiseure gegeben, die weiterhin auf Jahrmärkten die Phänomene zum Besten gaben. Jeder Mensch wendet täglich Autosuggestion an, im positiven oder negativen Sinne, meist aber in wirrem Durcheinander. Das Resultat ist demzufolge ein Gemisch von Erfolg und Misserfolg. Somit beruht der Erfolg im Leben nicht auf Zufall, sondern ist das Resultat eines bewussten positiven Denkens. Entgegen dem, was gemeinhin angenommen wird, ist nicht etwa der Wille des Menschen oberstes Vermögen, sondern vielmehr die Vorstellungskraft. Wenn diese beiden Kräfte in Widerstreit geraten, ist es die Vorstellungskraft, die den Sieg davonträgt." |
![]() Emil Coué (1857-1926) |
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| Aus der sich weiterentwickelnden Lehre der Hypnose und Autosuggestion entstand in unserer Zeit durch I.H. Schultz das sogenannte autogene Training. Ziel dieses Trainings ist es, Ruhe und völlige Entspannung durch eigene Konzentration hervorzurufen. Angesichts unserer hektischen Zeit hat sich das Autogene Training besonders in Managerkreisen zu einem regelrechten Boom entwickelt. Es gibt hierzulande inzwischen kaum eine Volkshochschule mehr, die nicht mindestens einen Kurs in dieser Richtung anbietet. - Tendenz steigend. | ||
Mit der Entwicklung der medizinischen Hypnose hielt natürlich auch die Bühnen oder Showhypnose ihren Einzug. Der bekannteste Vertreter dieses Jahrhunderts dürfte der im zweiten Weltkrieg von den Nazis ermordete, angeblich auch medial begabte Erik Jan Hanussen (1889 - 1933) gewesen sein. Heute gibt es in Deutschland kaum eine Diskothek, in der nicht jährlich eine Hypnoseshow stattfindet. Obwohl ich selbst das Geschäft mit der Bühnenhypnose betrieben habe, kann ich nur vor einigen selbsternannten Weltmeistern u. ä. warnen. Da es sich bei diesem Geschäft um stattliche Geldbeträge handelt, die den Besitzer wechseln, nimmt auch die Gefahr der durchgeführten Experimente ständig zu um im Geschäft zu bleiben. Während der Facharzt für Psychiatrie M.D. Milton H. Erickson (1901-1980) 1957 die „Amerikanische Gesellschaft für klinische Hypnose“ gründete, die sich erst 1978 auch in Deutschland etablierte, fanden Anfang der 70er Jahre auch wieder Showhypnosen in Deutschland statt. Um den weiteren Verlauf zu verstehen, muss man wissen, dass Milton H. Erickson zunächst eigene Methoden entwickelte, nachdem er während seines Universitätsstudiums in Amerika mit der Hypnose in Berührung kam. |
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Durch zweimalige Infektion mit Kinderlähmung war er seit 1953 an den Rollstuhl gefesselt. Sein psychiatrisches Wissen, sein Einfühlungsvermögen, sein hervorragender Ruf und nicht zuletzt die große Erwartungshaltung seiner Patienten und die daraus resultierenden Erfolge machten ihn zum sicher bekanntesten Hypnotiseur dieser Zeit, obwohl die von ihm eingesetzten Techniken wieder völlig neuer Art waren und im Prinzip nur auf Suggestion (Worten, Sprachmuster, bzw. Visualisierungen) beruhten (vgl. Emil Coué). Die Erfolge, die er in Anbetracht seines Berufes im Rahmen der Psychotherapie hatte, gaben ihm natürlich Recht und so wurde er in Annahme, dass er eine ganz besonders wirksame Technik erfunden hätte, kopiert. Richtig ist, dass man Techniken kopieren kann. Wie sieht es jedoch mit Einfühlungsvermögen und einem vorauseilenden Ruf und daraus resultierender Erwartungshaltung aus? Alles Dinge, die bei reiner Suggestion sehr wichtig sind... Trotz allem ist es sicher sein Verdienst, dass Suggestion im Bereich der Psychotherapie Einzug gefunden hat. Ich verwende hierbei aus gutem Grund nicht das Wort „Hypnose“, da diese Bezeichnung im ursprünglichen Zusammenhang nichts mit den heute häufig in der Medizin verwendeten indirekten Techniken zu tun hat. So wie man James Braid als Vater der Fixationshypnose ansehen kann, könnte man Milton H. Erickson als Erfinder der Konfusionstechnik (Verwirrungstechnik) bezeichnen. Keinesfalls jedoch als Vater einer „modernen Hypnose“, denn es handelt sich jeweils nur um Ausschnitte eines großen Ganzen. Trotzdem darf man Erickson’s Verdienste nicht herabwürdigen. Er hat es zumindest geschafft die indirekte Suggestion in der Psychotherapie zu etablieren. Erickson selbst sagte noch zu Lebzeiten, dass er selbst keine spezielle Methode hat. Inzwischen werden die "Erickson-Methode" und das aus dem Erickson-Modell hervorgegangen Neurolinguistische Programmieren (NLP) weltweit vermarktet. Meiner persönlichen Ansicht nach, haben diese Methoden mit Hypnose jedoch nur noch sehr wenig zu tun. Es ist eher der Versuch der Beeinflussung des Unterbewusstseins ohne einen entsprechenden Trancezustand hervorzurufen. Da Erickson großen Einfluss auf den Einsatz der Hypnosetherapie in der Medizin und der Psychotherapie hatte, hat der zu Lebzeiten "einmalige Meister der Hypnose" seinen Platz in der Geschichte der Hypnose auf jeden Fall mehr wie verdient. |
![]() Milton H. Erickson (1901-1980) |
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Blenden wir um zur Showhypnose, die in Deutschland durch den Hypnotiseur „Cally“ (Karl-Heinz Busch) in den 70er Jahren zu neuer Blüte gelang. Die bei der Showhypnose eingesetzten Techniken wiederum entstammen etwas abgewandelt den Lehren von James Braid (Gruppenhypnose mit Fixationstechnik) und Franz Anton Mesmer (verschiedene Blitzhypnosetechniken). Ziel des Showhypnotiseurs war und ist der tiefe Somnambulismus und die damit eintretenden Phänomene. Leider waren Showhypnotiseure lange Zeit reine Entertainer, die zwar die Techniken beherrschten, sich damit jedoch nicht unbedingt mit großem Ruhm bekleckerten. Jemanden über Glasscherben laufen zu lassen, auf Nagelbretter u. ä. zu legen um sich noch selbst draufzustellen, bzw. genüßlich Rasierschaum als Sahne schlemmen zu lassen sind hier noch die harmlosesten der durchgeführten Aktionen. Wenn die Hypnose dann noch von jemandem durchgeführt wird, der gerade einmal Ahnung von der Induktion der Trance hat, wird die ganze Sache sogar lebensgefährlich. - Von versuchten und durchgeführten Vergewaltigungen nach einer Hypnoseshow einmal ganz abgesehen. - Leider muß ich auch immer wieder feststellen, daß sogenannte Hypnoseshows immer mehr in die Richtung der Illusion des Publikums laufen. Einfache Zaubertricks werden als Folge der Hypnose dargestellt um das Ansehen des Hypnotiseurs zu steigern. Das solche Dinge natürlich dem Bewusstsein der Menschen über die fantastischen Möglichkeiten der Hypnose nicht gerade zuträglich sind, versteht sich von selbst. Daher habe ich auch oft bei meiner Show, die auf absoluter Echtheit aufgebaut war, Probleme mit Leuten, die voreingenommen der Sache beiwohnen. Vor dem Start des deutschen Privatfernsehens im Jahr 1984 waren Bühnenshows jedoch die einzigen Wegbereiter der Hypnose in Deutschland. Das private und später auch das staatliche Fernsehen berichteten immer wieder über schier unglaubliche Phänomene, die jedoch von Medizinern immer wieder in Zweifel gezogen wurden. Die besten Zeiten für Showhypnotiseure, die auch ich noch mit meiner eigenen „Alexander Cain Hypnoseshow“ (1990-2004) erlebte, waren sicher die 70er, bis in die 90er Jahre des 20. Jahrhunderts. Da die neue medizinische Hypnose kaum somnambule Zustände kannte, wurden (und werden immer noch) Showhypnotiseure häufig als Scharlatane hingestellt. Die wissenschaftliche Ignoranz treibt hier immer noch auf einen neuen Höhepunkt zu, während sich die Medien, so meint man, nicht entscheiden können zwischen Sensation und wissenschaftlichem Hochmut. An dieser Stelle wird leider ein Zitat aus "Der praktische Hypnotiseur" (17. Auflage, 1922) wieder aktuell: Auf dem "Internationalen Kongreß für Neurologie, Psychiatrie und Hypnologie in Brüssel vom 14.-21. September 1897" sprach sich Dr. van Velsen, einer der bedeutendsten Vertreter der Psychotherapie wie folgt aus über den Wert derselben:
Weiter schreibt der Autor: "Auch gegenwärtig hat der Arzt noch keine Gelegenheit, auf einer deutschen Universität die Suggestionstherapie praktisch zu üben. er ist wie im gewissen Sinne noch immer Autodidakt auf diesem wichtigen Gebiete. Das hält indessen die Herren nicht davon ab, sich als Sachverständige zu gebärden, obwohl sie von der Sache oft nichts verstehen. Ich hatte unter den Teilnehmern an meinen Unterrichtskursen Ärzte, die weder die Technik des Einschläferns, noch die Redaktion schwieriger Suggestionen zu erlernen vermochten. Aber sie traten dessenungeachtet sehr bald als Sachverständige vor Gericht auf und wurden als solche anerkannt. Ich habe es erlebt, daß solche "Sachverständige" nicht einmal ein wissenschaftliches Lehrbuch über Hypnose anzugeben vermochten. Nun, das war vor ca. einhundert Jahren. Heute sind wir keinen Schritt weiter... ©
by Alexander Cain® - All Rights Reserved Quellennachweis: |
![]() Alexander Cain® / Wolfgang Künzel (* 1965) |