| Erstellt von Mike69 |
| Mike69 - 28.08.2009 17:32: Unglaublich, was ich da gestern im K1-Magazin auf Kabel Eins gesehen habe. Es ging um ein Ehepaar, das ein Haus besitzt. Dieses Haus steht ziemlich dicht an der Straße und eines morgens rückte dort ein Bautrupp an. Wie sich herausstellte, wollte die Telecom ein DSL-Kabel in der Straße verlegen. Um nicht die Straße aufgraben zu müssen, wurde mit einem Bohrer durch das Erdreich gebohrt. Während der Bohrarbeiten entstanden im Haus Risse in den Wänden, in den Decken und im Fussboden. Im Keller drang plötzlich irgendwelcher Schlamm ein. Die Arbeiter, die draußen auf der Straße zugange waren, sahen sich das Malheur kurz an und taten es als harmlos ab! Das Ganze ist natürlich überhaupt nicht harmlos. Die Hausbesitzer schrieben nun die Telecom an und verlangten Schadenersatz. Die Telecom verwies auf die Fremdfirma, die sie mit der Durchführung der Arbeiten beauftragt hatte. Diese Firma verwies wiederum auf die Bohrfirma, die sie mit der Durchführung der Bohrarbeiten beauftragt hatte. Und wie sollte es anders sein, wies die Bohrfirma natürlich auch die Schuld von sich, da sie sich bei der Durchführung der Arbeiten angeblich genau an die Vorgaben des Auftraggebers gehalten hat. Die Hausbesitzer beauftragten nun einen Rechtsanwalt, der die Bohrfirma dazu bewegen konnte, ihre Haftpflichtversicherung zur Schadensregulierung aufzufordern. Es erschien nun ein Gutachter der Versicherung, der auch durchaus zu der Ansicht kam, dass die Schäden durch die Bohrarbeiten verursacht wurden. Er schätzte den Schaden auf ca. 100.000 Euro. Als er aber wieder verschwunden war, bekamen die Hausbesitzer weder das Gutachten zu sehen, noch erhielten sie von der Versicherung eine Nachricht, wie in der Sache nun weiter verfahren wird. Der Rechtsanwalt schrieb also die Versicherung an und bekam zur Antwort, dass das Gutachten nur für die Versicherung zu internen Zwecken erstellt wurde und die Hausbesitzer selber einen Gutachter beauftragen müssen, um ihren Anspruch auf Schadensregulierung nachzuweisen. Jetzt müssen die Hausbesitzer einen Kredit über 15.000 Euro aufnehmen, um ein Gutachten erstellen zu lassen, obwohl es schon ein Gutachten gibt. Da ja nun auch noch nicht geklärt ist, wer für den Schaden aufkommen muss (die Bohrfirma oder ihr Auftraggeber), muss die Sache vor Gericht geklärt werden. Der Rechtsanwalt schätzt, da sich Gerichtsmühlen bekanntlich langsam drehen, dass das Verfahren bis zu 10 Jahren dauern könnte, wenn es über mehrere Gerichtsinstanzen gehen sollte. Hinzu kommt noch der Umstand, dass die Frau an multipler Sklerose erkrankt ist und es deshalb geplant war, das Haus entsprechend einzurichten, z.B. der Einbau eines Treppenliftes. Durch die entstandenen Schäden kann man das natürlich erst einmal vergessen. Das dazu, wie gut alles in unserem Land funktioniert. |
| Airblader - 28.08.2009 17:40: So schlimm die Sache auch ist, neige ich immer dazu, keine Seite zu verteufeln, in diesem Falle schon gar nicht den Staat. Jeder beschwert sich über zuviele Paragraphen etc., doch letztlich sind die Bürger verantwortlich dafür, dass man für einfach alles Gesetze mit etlichen Zusätzen erlassen muss, denn jede Lücke wird doch sofort von jemandem genützt oder es fallen schnell Vorwürfe, jemand würde aus persönlichen Gründen urteilen. Nichts desto trotz sieht man ja immer wieder, dass es in genau solchen Fällen wirklich Defizite in der Rechtsordnung gibt, denn solche Prozesse sollten definitiv nicht Jahre dauern müssen. Allerdings ist das nicht nur Sache des Staates, hier muss man auch mal sagen, dass sich dort irgendwie alle Firmen schuldig machen - moralisch. Oder? Aber was zählt schon noch Moral - es geht hier doch um Geld. air |
| Mike69 - 29.08.2009 10:40: [quote] [i]Original von Airblader:[/i] So schlimm die Sache auch ist, neige ich immer dazu, keine Seite zu verteufeln, in diesem Falle schon gar nicht den Staat. Jeder beschwert sich über zuviele Paragraphen etc., doch letztlich sind die Bürger verantwortlich dafür, dass man für einfach alles Gesetze mit etlichen Zusätzen erlassen muss, denn jede Lücke wird doch sofort von jemandem genützt oder es fallen schnell Vorwürfe, jemand würde aus persönlichen Gründen urteilen. Nichts desto trotz sieht man ja immer wieder, dass es in genau solchen Fällen wirklich Defizite in der Rechtsordnung gibt, denn solche Prozesse sollten definitiv nicht Jahre dauern müssen. Allerdings ist das nicht nur Sache des Staates, hier muss man auch mal sagen, dass sich dort irgendwie alle Firmen schuldig machen - moralisch. Oder? Aber was zählt schon noch Moral - es geht hier doch um Geld. air [/quote] Da ist schon was dran. Ich kann mich natürlich nicht auf der einen Seite über irgendwelche sinnlosen Gebührenordnungen beschweren und auf der anderen Seite meinen Nachbarn verklagen, weil seine Hecke 3 cm zu hoch ist. Aber letzendlich sind es die Politiker im Parlament, die die Gesetze erlassen, die wir zwar alle vier Jahre wählen, aber ansonsten keinen Einfluß auf ihr Handeln haben. Und ich denke, vielleicht ist es von denen auch gewollt, dass sich der Normalbürger in den komplizierten Gesetzestexten nicht mehr zurechtfindet. Was das moralische betrifft, hast Du natürlich völlig Recht. Eigentlich müssten sich die Firmen und ihre Versicherungen an einen Tisch setzen und sich darüber einigen, wie die Sache geregelt wird, und das möglichst schnell und unkompliziert im Sinne der Geschädigten. |
| Airblader - 29.08.2009 17:43: Ja - das stimmt. Wir haben natürlich nur sehr bedingten Einfluss auf die Gesetze und Verordnungen, die tatsächlich erlassen werden (irgendwie Abstimmungen mal außen vorgelassen). Aber den springenden Punkt, für mich, hast du ja bestätigt: Man kann nunmal nicht beides erwarten, denn diese zwei Dinge konkurrieren. Ist ähnlich wie im Lebensmitteleinzelhandel. Da will jeder alles in top-Qualität, nur zahlen will dafür keiner. Schuld ist dann aber natürlich der LEH ... air |
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